Ende Juni trafen sich die 45 Spielerinnen der ersten Frauen-American-Football-Nationalmannschaft Deutschlands zur Vorbereitung auf das erste große Turnier. Praktischerweise richtete der AFVD das Camp in Strausberg vor den Toren Berlins aus, so dass die sieben Spielerinnen der Berlin Kobra Ladies nicht nur die kürzeste Anreise hatten, sondern sich auch ein bisschen heimisch fühlen konnten, denn schließlich findet im SEP Strausberg alljährlich zu Ostern das Trainingslager der Kobras statt.

Drei Tage vor der Abreise nach Schweden begannen die sieben Coaches, die Spielerinnen des Nationalteams auf die bevorstehende WM einzustellen. Das Playbook war seit dem ersten Camp im niedersächsischen Silberborn im März bekannt, jetzt galt es den Feinschliff zu erledigen, das Gelernte zu verfestigen, die perfekte Abstimmung zu finden und nicht zuletzt die gegnerischen Teams zu scouten und die Starter für die beiden Gruppenspiele festzulegen.

Als sich die deutsche Delegation am Montagmorgen auf den Weg machte, hatten die USA das Turnier bereits mit einem 63:0 gegen Österreich eröffnet, das 6:12 von Schweden gegen Kanada versprach jedoch Spannung pur: waren die Schweden besser als erwartet oder Kanada doch schlechter? In Stockholm angekommen, galt es den straffen Zeitplan abzuarbeiten. Beim ersten Training wurde das Team von 30 verkleideten und geschminkten Fans begrüßt, von dort ging es direkt zurück ins idyllisch am Wasser gelegene Hotel zu Theorie- und Videoeinheiten. Essen, schlafen, Training, Theorie… und dann endlich das erste Spiel.

Das Match gegen den Gastgeber Schweden dominierte die deutsche Defense. Das Laufspiel der Schweden, eigentlich ihre Stärke, wurde mit -19 Yards komplett unterbunden. Die Punkte erzielte Suse Erdmann aus Berlin, zunächst brachte sie den Ball mit einem Punt-Return an die schwedische 13 Yard-Linie und im nächsten Spielzug zur 7:0 Führung in die Endzone. In der zweiten Hälfte war es erneut Suse Erdmann, die mit einem Punt-Return-Touchdown über 25 Yards den 14:0-Endstand herstellen konnte. Für ihre Leistung wurde sie nach dem Spiel mit der MVP-Trophäe ausgezeichnet, insgesamt erzielte sie 96 Laufyards und 111 Yards aus den Punt-Returns.

Im nächsten Spiel traf Deutschland auf Kanada, die große Unbekannte des Turniers. Klar war, man musste das kraftvolle Laufspiel der Kanadier stoppen. Das gelang über weite Strecken sehr gut. Zu Beginn des zweiten Viertels jedoch kippte das Spiel innerhalb von drei Plays. Kanada kam an der eigenen 31 Yard Linie in Ballbesitz und Runningback J. Paetsch trug den Ball über 69 Yards in die Endzone. Auf das 7:0 folgte beim Kickoff der nächste Schock – ein Fumble beim Return gab Kanada den Ball zurück. Gleich mit dem nächsten Spielzug erhöhte erneut J. Paetsch zum 14:0 für Kanada. Fünf Sekunden vor der Halbzeit gelang es G. Duvinage (Nürnberg) per QB-Keep die Anschlusspunkte zu erzielen. In der zweiten Hälfte gelang J. Paetsch ihr dritter Touchdownlauf und Deutschland kam unter Zeitnot zwar zum 12:20 durch M. Scott (Stuttgart), jedoch machten viele Fehler wie Fumbles und verschossene PATs am Ende einen Sieg unmöglich.

Somit stand Deutschland im "kleinen Finale" und hätte zumindest das vorgegebene Ziel (bestes europäisches Team zu werden) erreichen können, wäre da nicht die verkorkste erste Halbzeit des Spiels um Bronze gegen Finnland gewesen. 0:26 stand es zur Halbzeit durch athletisch überlegene, flinke Finninnen. M. Scott und S. Erdmann verkürzten auf 12:26. Zwei Minuten vor dem Ende gelang S. Erdmann mit einem 43 Yard Lauf das 18:26, doch auch wenn die deutsche Defense in der 2. Halbzeit keine Punkte mehr zugelassen hat, reichte am Ende die Zeit nicht mehr aus, um noch einmal zu punkten und somit landete Deutschland mit einer kämpferischen Leistung nur auf dem unbefriedigenden vierten Platz.

Dennoch waren Spieler und Coaches begeistert vom Erlebnis "Weltmeisterschaft" und haben sich als starkes Team präsentiert. Anstrengende zehn Tage mit voll gepacktem Zeitplan liegen hinter den Athletinnen und ihren Betreuern. Neben den sieben Spielerinnen der Berlin Kobra Ladies (Suse Erdmann, Steffi Kultus, Yvonne Mechsner, Ina Steinfurth, Oona Rüster, Ariane Parusel und Anett Stahnke) stammten auch WR-Coach Robert "Trabi" Melzer (Spandau Bulldogs), die Equiment-Crew mit Thorsten Kunert (Berlin Bullets), Sonja Schmidt und Video Coordinator Normen Lück (Schiedsrichterobmann AFCVBB) und Physiotherapeut Steffen Schwarz (vom Rugby-Verein Hohen Neuendorf) aus Berlin, sowie die Teamleitung mit Mariam Khamsi-Strauch und Christiane Langkamm (ehemalige Spielerinnen der Berlin Kobra Ladies und Frauenfootball-Beauftragte des AFCVBB) und Katrin Bartels als Chef-de-Mission (Präsidentin AFCVBB).

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Foto: Deutschlands #21 Suse Erdmann © AFVD

Text: Christiane Langkamm (AFCVBB)

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